Dies ist der Film der Sommersaison 2026, jenes Werk, über das alle reden, das an den Kassen Rekorde bricht (gerade hat er weltweit die Marke von fünfhundert Millionen geknackt – bei einem Budget von gerade mal 750.000 Dollar) und als neuer Klassiker des Horrorgenres gehandelt wird. Letzteres wird die Zeit erweisen, der ganze Hype erinnert jedoch stark an Smile oder Blair Witch Project. In den letzten Jahren hat es eine bemerkenswerte Fülle an starken und erfolgreichen Horrorfilmen gegeben, die zwar allesamt nichts Neues erzählt, aber das Genre mit innovativen Ideen bereichert haben. Für die Fans ist dies vermutlich ein Fest.
Ich muss zugeben, dass ich auf den Film erst neugierig wurde, als er von Woche zu Woche bessere Zahlen geschrieben hat, denn wenn ein Werk eine derart starke Mundpropaganda besitzt, muss ja etwas an ihm sein, das sehr viele Menschen anspricht. Deshalb sind wir ins Kino gegangen.

Obsession – Du sollst mich lieben
Der schüchterne Bear (Michael Johnston) ist seit langem hoffnungslos in seine ehemalige Mitschülerin und Kollegin Nikki (Inde Navarrette) verliebt, traut sich aber nicht, sie um ein Date zu bitten. Seine beste Freunde Ian (Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless), die wie Bear und Nikki im selben Geschäft arbeiten, machen ihm zwar Mut, aber Bear schafft es nicht, seine Hemmungen zu überwinden. Als er auf der Suche nach einem Geschenk für Nikki einen „magischen“ Holzstab kauft, den man zerbricht und dabei einen Wunsch äußert, nutzt er ihn, um sich Nikkis Liebe zu wünschen. Das funktioniert sogar, hat aber fatale Konsequenzen für alle Beteiligten.
Hollywood-Guru Blake Snyder hat seine Formel für erfolgreiche Filme Save the Cat genannt und die Auffassung vertreten, dass eine Figur eine Katzenrettungsszene braucht, um sympathisch rüberzukommen. Curry Barker, der Regie geführt und das Drehbuch geschrieben hat, lässt Bears Katze gleich zu Beginn sterben, als ironischen Kommentar zu Snyder vermutlich, der nur für Insider witzig ist. Unsympathisch ist Bear dennoch nicht, weil das Publikum ein Faible für unbeholfene Figuren hat, die nicht den nötigen Mut aufbringen, das Mädchen ihrer Träume um eine Verabredung zu bitten. Der hilflos herumstammelnde Hugh Grant hat seine gesamte Karriere darauf aufgebaut. Aber dies ist keine RomCom, sondern ein Horrorfilm, und entsprechend weiß man von Anfang an, wie das Ganze enden wird, sogar enden muss. Sympathie hin oder her.
Vieles erinnert an den Klassiker Eine verhängnisvolle Affäre, der uns den feststehenden Begriff bunny boiler serviert hat, auch etwas, das Barker aufgreift, aber hier wird die obsessive Zuneigung der Frau nicht mit ihren psychischen Problemen begründet, sondern ist die Folge eines Fluchs oder einer Verzauberung. Natürlich glaubt anfangs niemand daran, aber nach einem kurzen Moment des Zweifels steht bald fest, dass Bear hier eine Macht heraufbeschworen hat, der er nicht mehr Herr wird.
Der Einbruch einer alles verzehrenden, übermächtigen und übernatürlichen Kraft in das Leben normaler Menschen ist ein zurzeit ungeheuer beliebtes Sujet im Horrorfilm und sorgt mit einer fatalistischen Erzählweise für eine negative, teilweise sogar deprimierende Tonalität. In den späten Sechziger- und Siebzigerjahren gab es bereits eine ähnliche Strömung, und man kann nur vermuten, dass die fragilen äußeren Umstände viel zu dieser Weltsicht beitragen. In einer Zeit, in der vieles undurchschaubar ist, wir das Gefühl haben, dass unsere Leben von Mächten bestimmt werden, auf die wir keinen Einfluss haben, in der Gewissheiten schwinden und Beziehungen komplizierter werden, in der Zeit der Einsamkeit während der Pandemie, die einen großen, bislang vermutlich noch nicht vollständig ausgeleuchteten Einfluss auf die junge Generation hatte, kurz gesagt, in einer Zeit der Unsicherheit und Verunsicherung treffen diese Filme einen Nerv.
Um etwas von der Negativität aufzufangen, setzt Barker hin und wieder auf Humor, spart aber auch nicht mit den üblichen Horroreffekten. Manche Einfälle sind nicht ganz nachvollziehbar und offenbar vor allem wegen ihres Effekts gewählt, und stellenweise ist das Ganze auch extrem blutig und brutal. Viele Horrormomente sind aber vor allem deshalb so effektiv, weil Barker, bei einem geringen Budget nicht unüblich, gekonnt mit dem Sound spielt und dabei gerne mal die Lautstärke hochdreht. Die Darsteller sind großartig, vor allem die beiden Hauptfiguren, mit denen man gerne mitgeht, auch wenn man weiß, dass es für sie keine Erlösung geben kann.
Obsession – Du sollst mich lieben ist ein solider, toll gemachter Horrorfilm, der zwar nichts Neues erzählt und auch sehr vorhersehbar ist, aber trotz einiger Längen durchweg unterhält und bisweilen für einiges Unbehagen sorgt.
Note: 3+