Der Teufel trägt Prada 2

Anna Hathaway ist ein fleißiges Bienchen. Neben diesem Film und The End of Oak Street war sie heuer bereits in Die Odyssee zu sehen sowie in Mother Mary, der jedoch weitgehend sang- und klanglos untergegangen ist, und in ein paar Monaten wird sie noch eine Hauptrolle in Verity spielen, der neuesten Colleen Hoover-Verfilmung. Man könnte angesichts dieser Dauerpräsenz sagen, dass dies ihr Jahr ist, auch wenn Tom Holland und Zendaya dagegen vielleicht Einspruch einlegen würden.

Die wohl am sehnsüchtigsten erwartete Fortsetzung in diesem Jahr war vermutlich Der Teufel trägt Prada 2. Vielleicht sollte ich es nicht sagen, aber ich habe Lauren Weisbergers Roman Der Teufel trägt Prada tatsächlich gelesen, und zwar schon einige Zeit, bevor er verfilmt wurde. Diese leichten Komödien sind intellektuell vielleicht nicht herausfordernd oder von großem literarischen Wert, und ich kenne einige Leute, die mich deswegen schief ansehen würden, aber hin und wieder kann ich einem Guilty Pleasure einfach nicht widerstehen. Also, bitte nicht weitersagen.

Natürlich hat mir auch die Adaption damals gut gefallen, vor allem die erste Hälfte, die halb Aschenputtel-Story, halb Fashion-Satire ist. Als ich dann gelesen habe, dass eine späte Fortsetzung geplant ist, war ich nicht besonders überrascht, schließlich gibt es von der Sorte gerade mehr als uns lieb sein sollte, was ich aber nicht wusste, war, dass Weisberger mehrere Folgeromane zu ihrem Debüt geschrieben hat, die komplett an mir vorbeigegangen sind. Also ist auch dieser späte zweite Teil eine weitere Romanadaption und nicht der schnöde Versuch, einen Kultfilm erneut zu monetarisieren. Ein Schelm, wer Hollywood hier Böses unterstellt.

Der Teufel trägt Prada 2

Andy Sachs (Anne Hathaway) ist eine renommierte Journalistin, die just in dem Moment, in dem sie einen Preis für einen Artikel erhält, erfährt, dass ihre Zeitung massiv Stellen abbaut und sie und viele ihrer Kollegen gefeuert sind. Gleichzeitig stehen Runway und seine Chefredakteurin Miranda Priestley (Meryl Streep) im Mittelpunkt eines Shitstorms, weil sie einen lobenden Artikel über eine Modefirma herausgebracht haben, die als Ausbeuterbetrieb gilt. Als der Besitzer von Runway ein Video von Andys Wutrede sieht, stellt er sie als neue Feature-Redakteurin ein, und obwohl sie nie wieder mit Miranda zu tun haben wollte, lässt Andy sich erneut auf sie ein.

Wie eingangs gesagt, beginnt Der Teufel trägt Prada als Aschenputtel-Story, in der eine normale, junge Frau in die verrückte Welt des schönen Scheins eines Mode-Magazins gerät, das unschwer als Vogue zu erkennen ist, mit einer Chefin, die jeden arrogant und geringschätzig behandelt. Andy blickt anfangs mit Verachtung auf diese Welt, lässt sich aber kurzzeitig von der Schönheit und dem Glamour verführen, wächst an ihren Aufgaben, wird selbstbewusster und findet schließlich zu sich selbst. Auch die Verwandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan bedient perfekt das Märchen-Element.

Zwanzig Jahre später ist das Märchenhafte verschwunden. Andy ist kein naiver Neuling mehr, sondern eine gestandene Frau, die weiß, was sie kann und was sie will. Erneut steht sie an einem Scheideweg und braucht einen neuen Job, weiß aber auch, dass die Tage des Print-Journalismus gezählt sind. Neben dem höheren Gehalt lockt Andy vor allem die Möglichkeit, dem eher seichten Lifestyle-Magazin einige ernsthafte Themen unterzujubeln, muss jedoch bald feststellen, dass niemand ihre Artikel liest. Deshalb braucht sie dringend einen Coup, und als sie erfährt, dass Miranda unbedingt einen Beitrag über Sasha Barnes (Lucy Liu) bringen will, die Ex-Frau des exzentrischen Milliardärs Benji Barnes (Justin Theroux), setzt sie alles daran, dieses Interview an Land zu ziehen.

Wie im ersten Teil muss Andy sich also den Respekt und die Anerkennung ihrer Chefin erarbeiten, aber da enden auch schon fast die Gemeinsamkeiten. In zwanzig Jahren haben sich alle Figuren verändert (außer die von Stanley Tucci gespielte Mentorfigur Nigel), und Miranda ist bei weitem nicht mehr so gemein wie zuvor. Es waren jedoch Meryl Streeps Auftritte als zickige Chefin, die den ersten Teil legendär gemacht haben, aber nicht nur der Print-Journalismus ist inzwischen vor die Hunde gegangen, auch die Umgangsformen in den Chefetagen haben sich inzwischen geändert. Miranda darf noch bissig sein, aber ihre Assistentin (Simone Ashley) fungiert inzwischen als Sprachpolizei und weist ihre Chefin auf beleidigende Formulierungen hin. Was sich die alte Miranda niemals gefallen lassen hätte. So ist Miranda zwar immer noch nicht nett, aber sie demütigt ihre Angestellten nicht mehr, und sie hat sogar gelernt, ihre Mäntel selbst aufzuhängen. Einerseits ist es tatsächlich beruhigend, dass sogar solche Menschen sich weiterentwickeln können, andererseits ist das für einen Film, der einen beträchtlichen Teil seiner Komik aus diesem erratischen Verhalten gezogen hat, ein Dilemma.

Der erste Teil lebte auch von der Chemie zwischen Anna Hathaway und Emily Blunt, die ebenfalls in ihrer Rolle als Emily Charlton zurückkehrt, aber nun weder Andys Vorgesetzte ist noch in einem Konkurrenzverhältnis zu ihr steht. Dadurch verändert sich natürlich auch das gesamte Verhältnis der Figuren zueinander, und es gelingt der Autorin nicht, einen adäquaten Ersatz für die veränderte Dynamik zu schaffen. Hinzukommt, dass Emily sich im weiteren Verlauf der Story zu stark negativ verändert. Leider ist dies auch die einzige charakterliche Veränderung.

So wie die Figur der Miranda in Anna Wintour ein reales Vorbild hat, sind die Barnes Platzhalter für das Ehepaar Bezos, die mit ihrer Scheidung seinerzeit die Klatschspalten beherrschten. Exzentrische Milliardäre dienen seit Jahren als Blaupause für skurrile Figuren in diversen Filmen und Serien, aber verglichen mit anderen Formaten agiert Justin Theroux hier geradezu handzahm.

Zurück zu Andy und ihrer ersten Bewährungsprobe. Man sieht zwar, wie Andy sich um einen Kontakt zu Sasha bemüht, aber anstatt das möglichst witzig zu erzählen, die Hürden hoch zu legen oder wenigstens zu zeigen, wie einfallsreich oder engagiert sie dabei vorgeht, fällt ihr der Erfolg einfach in den Schoß. Sasha hat ihre Artikel gelesen, vermutlich als einzige, und das ist ungeheuer einfallslos. Diese kleine Sequenz steht stellvertretend für das gesamte Drehbuch von Aline Brosh McKenna, in dem sich Konflikte gerne in Nichts auflösen und der Rest nur behauptet wird. Das beginnt mit Andys Wutrede, die ihr zwar den Job verschafft, deren Inhalt aber ausgespart wird, und endet mit dem großen Showdown, bei dem ebenfalls nur Aktivität und Raffinesse vorgetäuscht werden. Statt die Heldinnen glänzen zu lassen und ihre Cleverness zu zelebrieren, steckt man sie nur in glänzende Outfits und behauptet, dass sie starke und clevere Frauen seien. Man hat so nie das Gefühl, dass die Figuren wirklich kämpfen und sich beweisen müssen, wodurch die Story seltsam flach und spannungsarm bleibt.

Das Märchenhafte ist verschwunden, eine spannende oder zumindest begeisternde Story gibt es auch nicht, und sogar der Humor ist weitgehend auf der Strecke geblieben. Die Regie von David Frankel wiederum ist ähnlich sprunghaft und uneinheitlich wie das Drehbuch. Er setzt gleichzeitig auf den Glamourlook einer Studioproduktion, streut aber auch semi-dokumentarische Momente ein, insbesondere wenn die Handlung sich gegen Ende auf die Mailänder Modewoche verlagert, und verfällt auf einige merkwürdige Regie-Einfälle wie sprunghafte Zooms, die irritierend wirken. Immerhin der Look stimmt noch, und aufgewertet wird das Spektakel durch eine Vielzahl Cameos, die beweisen, wie kultig das Original ist, aber leider vor allem vor Augen führen, wie oberflächlich und nichtssagend die Fortsetzung ist. Und das aufdringliche Product Placement hilft da auch nicht weiter. Manche Szenen sehen aus wie die Werbung für eine bekannte Stuttgarter Automarke.

Die Macher wollten viel, vielleicht zu viel, sie wollten vor allem die grundlegenden Veränderungen unserer Welt in den letzten zwei Jahrzehnten aufzeigen, die Journalismus und Gesellschaft, Konsumverhalten und Managementgebaren betreffen, was ansatzweise sogar gelungen ist. Stellenweise erscheint der Film wie ein einziges Lamento, in dem die Figuren beklagen, dass es früher einen wertigeren Journalismus gegeben hat, dass ein Modemagazin üppige Budgets für aufwändige Fotoshootings in exotischen Ländern zur Verfügung hatte, während heute alles billiger produziert werden muss und demnächst vermutlich von einer KI erstellt wird, dass die Menschen sich früher Zeit genommen haben, um zu lesen und sich Gedanken zu machen, während man heute einfach nur konsumiert, ohne dabei zu reflektieren. Das alles ist gut und schön, würde aber mehr ins Gewicht fallen, wenn dabei nicht eine so oberflächliche Story herausgekommen wäre, die tatsächlich wirkt, als hätte eine KI sie zusammengezimmert.

Irgendwo war in einem Artikel über den Filmstart zu lesen, dass im zweiten Teil unbedingt Andys blauer Pullover auftauchen müsse, sonst wären die Fans bitter enttäuscht. Viel wichtiger wäre jedoch gewesen, den alten bissigen Charme neu zu beleben, den man so geliebt hat, und die etwas übertriebene, aber wirkungsvolle Situationskomik, die den Film zu seinem Kultstatus verholfen haben. Wenn all das heute nicht mehr möglich ist, weil es nicht akzeptabel oder zeitgemäß ist, bleibt nicht viel mehr übrig als eine hübsche, nicht uninteressante, aber leider auch recht oberflächliche Fassade und das nette Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren. Das ist nicht wenig, viel ist es aber auch nicht.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.