Als der erste Teil 1995 in die Kinos kam, galt er als Sensation, war er schließlich der erste, rein CGI-animierte Kinofilm. Ich habe im selben Jahr selbst einen Animationsfilm gedreht, einen klassischen Stop-Motion-Film mit einer Knetfigur, der allerdings ein kleines bisschen weniger erfolgreich, aber immerhin auf der großen Leinwand zu sehen war. Genau einmal.
Was mich erstaunt, ist weniger die Langlebigkeit des Toy-Story-Franchises, sondern vielmehr die Tatsache, dass in 30 Jahren lediglich fünf Filme zusammengekommen sind, plus Lightyear, ein Spin-Off, das ich bis heute nicht gesehen habe. Wobei ich, wie ich meine, nicht der Einzige bin. Die Toy Story-Filme haben mir zwar immer gefallen, aber ein großer Fan bin ich dennoch nicht geworden, was vermutlich daran liegt, dass ich der Zielgruppe inzwischen entwachsen bin, aber ausgerechnet der vierte Teil war dann für mich der beste. Und so stand außer Frage, dass wir uns den neuesten Streich von Pixar ansehen.

Toy Story 5
Auf einer einsamen Insel wird ein Container voller Buzz-Lightyear-Figuren angeschwemmt, die sich zu einer Einheit zusammenschließen müssen, um zum Star-Command zu finden – und ihre wahre Berufung zu entdecken. Zur gleichen Zeit findet im Kinderzimmer der inzwischen achtjährigen Bonnie eine Revolution statt. Das Mädchen spielt zwar immer noch gerne mit Jessie und den anderen Spielsachen, hätte aber gerne reale Freundinnen, doch die interessieren sich nur für ihre Tablets. Deshalb schenken Bonnies Eltern ihr ein Lilypad im Froschdesign, das sich mit seiner arroganten Haltung sofort bei Jessie und den anderen unbeliebt macht. Zwischen dem Neuzugang und den älteren Spielsachen entbrennt in der Folge ein Wettbewerb darum, wer Bonnie eher eine Freundin beschaffen kann.
Im ersten Teil ging es ebenfalls um ein neues Spielzeug – Buzz Lightyear – das viel cooler, innovativer und technischer daherkam als traditionelle Puppen wie Woody und Jessie, die entsprechend mit Eifersucht darauf reagieren. Inzwischen sind drei Jahrzehnte ins Land gegangen und Smartphones und Tablets haben Einzug in die Kinderzimmer gehalten. Jessie erkennt auf den ersten Blick, wie fatal diese Entwicklung ist, nicht nur für die altmodischen Spielzeuge, die nicht mehr gefragt sind, sondern auch für die Kinder, die nur noch herumsitzen und konsumieren, anstatt ihre Fantasie zu bemühen und mit Freunden herumzutoben.
Das Franchise hat sich auf leichte, kindgerechte Weise immer mit ernsten Fragen auseinandergesetzt und spricht hier mit dem Bildschirmkonsum von Kindern ein Thema an, das viele Eltern heutzutage umtreibt. Das fantasievolle Spielen mit Puppen, das Erfinden von lustigen, dramatischen oder absurden Geschichten, wird dabei als die höchste Form des kindlichen Freizeitvergnügens propagiert und bedient damit vor allem die nostalgischen Gefühle der erwachsenen Zuschauer. Die Kinder sehen das vermutlich anders, lassen sich aber mit Sicherheit ebenso von der spannenden Story verführen.
Die Geschichte von Regisseur Andrew Stanton und McKenna Harris braucht allerdings eine ganze Weile, bis sie in Fahrt kommt. Die Problematik ist von Anfang an klar, mit Lilypads Auftauchen setzt auch ein zunehmend intensiver werdender Konkurrenzkampf um Bonnies Gunst ein, das Ganze wird aber ein wenig tempoarm und mit zu wenig Humor in Szene gesetzt.
Immerhin dürfen alle liebgewordenen Spielzeuge der letzten vier Filme eine Rolle spielen, die bei den meisten allerdings eher klein ausfällt, und einige Neuzugänge gibt es auch. Woody spielt diesmal nur eine Nebenrolle und rettet immer noch verlorenes Spielzeug, mischt aber in der zweiten und deutlich besseren Hälfte wieder mit.
Wie die Buzz-Lightyear-Kompanie ihren Weg zu den anderen findet, wie der originale Buzz seine Schüchternheit überwindet, um Jessie endlich einen Antrag zu machen, und wie es allen Spielzeugen gelingt, Bonnie zu einer Freundin zu verhelfen und sich miteinander zu versöhnen, ist wie immer toll und fantasievoll erzählt. Dennoch fällt der fünfte Teil etwas gegenüber seinem direkten Vorgänger ab, besitzt im letzten Drittel jedoch genügend Witz und Tempo, um einen für den etwas langsamen Anfang zu entschädigen. Und am Ende ist man wieder einmal gerührt und gedenkt der eigenen, schon lange vergangenen Kindheit und der Spielzeuge, die einem einmal die Welt bedeutet haben.
Note: 3+