Angeblich soll es nächstes Jahr einen Film geben, der auf dem bekannten Brettspiel Monopoly basiert, auch Adaptionen von Catan und anderen Spieleklassikern sind geplant oder bereits entstanden. Man könnte meinen, Hollywood fällt nun wirklich gar nichts mehr ein. Denkste! Hollywood fiel schon vor vierzig Jahren nichts ein, denn damals entstand Clue: The Movie, der bei uns den etwas schrägen Titel Alle Mörder sind schon da trägt und auf dem Brettspiel Cluedo basiert.
Als Kind habe ich das auch gelegentlich gespielt, kann mich aber nur noch schwach an die Regeln erinnern. Es geht darum, einen Mörder zu finden und auch die Tatwaffe und den Tatort zu ermitteln, und neben einer guten Kombinationsgabe ist auch eine Portion Glück gefragt. Viel mehr weiß ich nicht. Das reicht aber als Voraussetzung dafür, diesen Film zu sehen, der damals in den USA in vier verschiedenen Fassungen in die Kinos kam – jeweils mit einem anderen Ende und einem anderen Mörder. Eine dumme Idee, die die Auflösung etwas beliebig macht und dem Erfolg nicht förderlich war. Der Film war ein Flop und wurde auch bei uns links liegengelassen, entwickelte sich dafür über die Jahre zu einem kleinen Kultfilm. Immerhin gibt es in der Version auf Paramount+ fast alle unterschiedlichen Schlüsse zu sehen, nur einen, der als zu schlecht erachtet wurde, fiel der Schere zum Opfer. Aber nicht in der Bibliothek.
Alle Mörder sind schon da
Mrs. Peacock (Eileen Brennan), Mrs. White (Madeleine Kahn), Professor Plum (Christopher Lloyd), Mr. Green (Michael McKean), Colonel Mustard (Martin Mull) und Miss Scarlet (Lesley Ann Warren) erhalten eine geheimnisvolle Dinnereinladung und treffen in einem einsamen Landhaus aufeinander. Alle Namen sind Pseudonyme, und die Anwesenden sollen möglichst nichts über sich preisgeben. Das ändert sich erst mit der Ankunft von Mr. Boddy (Lee Ving), der sich bald als Erpresser entpuppt, der gegen jeden Gast etwas in der Hand hat und jedem eine Mordwaffe aushändigt. Plötzlich geht das Licht aus, und Mr. Boddy wird kurz darauf tot am Boden gefunden. Zusammen mit dem Butler (Tim Curry) und einem Hausmädchen (Colleen Camp) machen sich die Gäste auf Mörderjagd.
Im Grunde gibt es nicht viel über diesen Film zu sagen. Er parodiert die Landhauskrimis, wie sie vor allem in Agatha Christie-Romanen vorkommen, und Detektivfilme im allgemeinen und geizt nicht mit grellen Slapstickeinlagen. Immerhin legt er dabei ein ordentliches Tempo vor, was auch daran liegt, dass die Darsteller permanent von einem Schauplatz bzw. Tatort zum anderen rennen müssen. Selten sieht man in einem Film so viele Leute gleichzeitig hin und her rennen – oder hört sie schreien.
Und geschrien wird eine Menge, vor allem wenn ein Mord geschieht, und Mr. Boddy ist nicht der einzige, der an diesem Abend das Zeitliche segnet. Zu den weiteren Opfer gehören noch die Köchin, ein Polizist, eine singende Telegrammbotin und diverse andere Leute, wodurch der Film einen erstaunlichen Bodycount besitzt. Der skeptische Zuschauer mag sich vielleicht auch darüber wundern, wie viele Leute sich mitten in einer stürmischen Nacht in einer abgelegenen Gegend so herumtreiben. Wichtig wäre auch noch zu erwähnen, dass der Film 1954 spielt, was zumindest die singende Telegrammbotin erklärt.
Wer gerne miträtselt und im Geiste mit auf Mörderjagd geht, dürfte an der Geschichte keine allzu große Freude haben, und auch die Auflösungen wirken teilweise aus dem Hut gezaubert, haben dafür aber überraschend gut Argumente. Natürlich sollte man das alles nicht furchtbar ernst nehmen, der Film ist eine reinrassige Komödie, die in ihren besten Momenten an den – freilich wesentlich genialeren – Noisses Off erinnert oder an Die Schlemmerorgie (blöder deutscher Titel für den recht launigen Who Is Killing the Great Chefs of Europe?) und tatsächlich für eine Menge Lacher gut ist.
Wer Lust auf eine etwas altmodische, überdrehte Komödie hat, sollte dem Film bei Paramount+ unbedingt einmal eine Chance geben, er ist unterhaltsam, mit gut 90 Minuten kurz und wendungsreich, und im Gegensatz zu herkömmlichen Krimis ist einem die Auflösung hier völlig schnuppe.
Note: 3