Masters of the Universe

Wer mich kennt, weiß, das ist genau meine Sorte Film. Oder auch nicht. Tatsächlich hat mich diese Produktion nach den beliebten Actionfiguren aus den Achtzigern kein bisschen interessiert, bis es hieß, dass er richtig Spaß machen soll, weil er subversiv und witzig geschrieben sei. Auch der imdB-Wert ist nicht schlecht, und da ich grundsätzlich ein neugieriger Mensch bin, der gerne seinen Horizont erweitert, habe ich dem Film eine Chance gegeben. Hin und wieder sieht man ja ganz gerne einen eskapistischen Quatsch.

Masters of the Universe

Adam (Artie Wilkinson-Hunt) ist der Prinz und Thronfolger von Eternia, einem fantastischen Planeten voller magischer Kreaturen. Wie alle Kinder wird er schon früh vom Waffenmeister Duncan (Idris Elba) im Schwertkampf unterrichtet, doch der schwache und sanftmütige Adam ist eine Enttäuschung für seinen Vater (James Purefoy), weil er nicht kämpfen, sondern Konflikte lieber ausdiskutieren will. Eines Tages wird das Land von Skeletor (Jared Leto) und seinen bösen Armeen angegriffen, die es auf ein magisches Schwert abgesehen haben, das in der Hauptstadt Grayskull von einer Magierin (Morena Baccarin) bewacht wird. Während die Mächte des Bösen das Königreich zerstören, schickt die Magierin Adam mit dem Schwert durch ein Portal auf die Erde, damit er es dort beschützt. Doch Adam verliert die mächtigste Waffe des Universums und verbringt fortan sein Leben damit, es zu suchen. Fünfzehn Jahre später arbeitet der erwachsene Adam (Nicholas Galitzine) in der Personalabteilung eines Unternehmens, als er endlich einen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Schwertes erhält: in einem Spielzeugladen.

Der Spielzeughersteller Mattel ist mit Barbie groß rausgekommen, die seit 1959 die Herzen kleiner Mädchen höherschlagen lässt. Für Jungen gab es dagegen lange nichts, da sich Barbies Ken bei ihnen nicht so recht durchsetzen konnte. Jungen spielen bekanntlich nicht mit Puppen, dafür aber schon seit Jahrhunderten mit (Zinn-)Soldaten, und so lag es nahe, Figuren aus dem militärischen Umfeld zu designen. G.I. Joe von Hasbro gehörte zu den ersten, und Mattel sprang in den späten Sechzigern mit einem an den Zeitgeist angepassten Astronauten auf den Zug auf. Später kam noch Big Jim dazu, der einen raffinierten Armmechanismus besaß, der Karatebewegungen oder Ballwerfen simulieren konnte.

1982 kamen die Masters of the Universe-Actionfiguren auf den Markt, die dem Fantasy-Genre zuzuordnen waren, das damals gerade hoch im Kurs stand, und die mit ihrem Barbaren-Look ursprünglich zu dem im selben Jahr gestarteten Film Conan der Barbar passen sollten. Da Mattel der Film jedoch nicht kindgerecht genug erschien, wurde das Aussehen der Figur leicht abgewandelt.

Der Erfolg war so groß, dass Comics, Hörspiele und eine beliebte Animationsserie folgten, bevor 1987 der erste Kinofilm gestartet wurde, mit Dolph Lundgren als He-Man, der hier sogar ein Cameo absolviert. Die Geschichten schrieben He-Mans Hintergrund um und machten aus dem Barbarenhäuptling den schmächtigen Prinzen Adam, der sich nur mit Hilfe seines magischen Schwertes in einen furchtlosen und muskelbepackten Helden verwandelt. Die Zielgruppe waren vor allem Jungen im Grundschulalter, und so folgen die Storys einem einfachen Gut-Böse-Schema, und die Figuren tragen meist sprechende Namen, die für Erwachsene oft eine unfreiwillige Komik besitzen.

Seit dem riesigen Erfolg von Barbie plant Mattel, weitere Spielsachen mit Kinofilmen zu veredeln, und Masters of the Universe ist dabei die natürlichste Wahl, hat sich die Marke bereits im Fernsehen und Kino bewährt und besitzt großen Wiedererkennungswert. Damit passt der Stoff perfekt in unsere nostalgiegeschwängerte Zeit, in der nahezu alles, was in den Achtzigern oder Neunzigern erfolgreich war, recycelt wird. Doch der Weg ins Kino war steinig und schwer, zuerst versuchte sich Sony daran, danach Netflix, bevor das Projekt letztendlich bei MGM/Amazon landete.

Während es Greta Gerwig gelungen ist, der traditionellen Barbie ein feministisches Facelifting zu verpassen, verzichtet Regisseur Travis Knight, der aus dem Animationsbereich stammt und zuvor unter anderem Bumblebee inszeniert hat, weitgehend auf eine moderne Neuinterpretation des He-Man-Universums. Adam legt zwar eine gewisse Sensibilität an den Tag und will Konflikte lieber im Dialog lösen, aber gleichzeitig wird dieses Verhalten, ebenso wie der woke Sprachgebrauch und die über-empathische Firmenkultur an Adams Arbeitsplatz, gnadenlos durch den Kakao gezogen. Stellenweise weiß man nicht so recht, ob das noch Selbstironie oder schon Karikatur ist.

Schon die Animationsserie in den Achtzigern wurde vielfach queer konnotiert, schließlich verkörpert He-Man mit seinen Muskelpaketen eine übertriebene Maskulinität und hat viele enge männliche Freunde (die sinnigerweise auch noch Ram Man oder Fisto heißen), aber nicht viel Glück bei Frauen. Das wurde von den Machern auch auf den Film übertragen, in dem es mit Teela (Camila Mendes) zwar eine starke Frauenfigur gibt, die sich als Love-Interest anbieten würde, Adam aber nach einem ziemlich plumpen Annäherungsversuch in die Friendzone verbannt. Auch bei einem Date, bei dem die Zuschauer den erwachsenen Adam kennenlernen, scheint er kein Interesse an seinem Gegenüber zu haben, denn er textet die arme Frau mit wirren Geschichten über ein magisches Schwert und seine königliche Herkunft zu. Überhaupt ist Adam eine einzige präpubertierende Peinlichkeit.

Obwohl es enormes komödiantisches Potenzial gibt, macht das Drehbuch, an dem über die Jahre und verschiedenen Entwicklungsstadien hinweg gleich vier Autoren ihr Glück versucht haben, nicht allzu viel daraus. Hier und da kann man schmunzeln, die meisten Einfälle sind jedoch ungeheuer plump und peinlich und werden oft genug furchtbar schlecht inszeniert. Die Story folgt immerhin dem klassischen Heldenreisen-Muster, was sie einerseits leicht konsumierbar, andererseits aber auch extrem vorhersehbar macht.

Optisch macht Galitzine tatsächlich eine gute Figur als Muskelprotz, schauspielerisch ist er jedoch eher ein Fliegengewicht. Immerhin wurde ihm eine dezente Tollpatschigkeit angedichtet, die der Figur wenigstens etwas von ihrer übertrieben theatralischen Heldenattitüde nimmt. Leider ist Travis Knight von der Regiearbeit überfordert und verpatzt jede Menge Szenen, das beginnt schon bei der „Verwandlung“ des schmächtigen Adam in He-Man, bei dem man, abgesehen Kleidung und Frisur, keinerlei Unterschied erkennen kann. Später tauchen Figuren, die offenkundig nicht in der Szene waren, plötzlich aus dem Nichts auf, und ob er schon mal etwas von Schauspielführung gehört hat, darf auch bezweifelt werden. Andererseits kann man es den Darstellern nicht verübeln, wenn sie recht lustlos agieren, schließlich sind sie gezwungen, die vermutlich dümmsten Dialoge dieses Jahres aufsagen zu müssen. Da fallen die schlechten Spezialeffekten oder die schlechteste Rockmusik, die die Achtziger zu bieten hatte, schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Masters of the Universe ist langweilig und uninspiriert und ungefähr so spannend, als würde man einem Sechsjährigen beim Spielen mit seinen Actionfiguren zusehen. Lediglich seine Selbstironie bewahrt ihn vor dem Komplettabsturz.

Note: 5+

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.