Der Trailer mit seinem anarchischen Humor hat mir so gut gefallen, dass der Film prompt auf dem ersten Platz meiner Heiß-auf-Liste landete. Da kann man mal sehen, wie sehr ich Komödien vermisse, dass ein bisschen absurde Komik schon ausreicht, um mich neugierig zu machen. Natürlich war ich dann auch gleich am Starttag im Kino.

Mickey 17
Mickey (Robert Pattinson) ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, hat aber ein gutes Herz. Zusammen mit seinem besten Freund Timo (Steven Yeun) macht er Schulden bei einem Kredithai, um einen Macaronladen zu eröffnen, der jedoch pleitegeht. Weil sie das Geld nicht zurückzahlen können, droht ihnen ein schmerzhafter Tod. Sie bewerben sich daher für das Auswanderungsprogramm des evangelikalen Kirchenführers und Ex-Politikers Kenneth Marshall (Mark Ruffalo) und seiner Frau Ylfa (Toni Collette), die mit einem Raumschiff auf den Planeten Niflheim fliegen, um ihn zu kolonisieren. Während Timo einen Platz als Pilot ergattert, bleibt für Mickey nur die Stelle eines Expendables übrig: Im Falle seines sehr wahrscheinlichen Todes bei waghalsigen Missionen wird sein Körper im Bioprinter einfach neu gedruckt und seine gespeicherten Erinnerungen werden reimplantiert.
KI ist zurzeit in aller Munde und damit kehrt auch die Frage nach der Verantwortung in der Wissenschaft zurück: Darf man wirklich alles machen, nur weil es möglich ist? Wo sind die ethischen Grenzen der Forschung? Und ist der Mensch wirklich schon bereit für die große Macht, die er erlangt hat? All diese Fragen sind nicht neu, sondern werden bereits seit Generationen gestellt, besitzen aber nach wie vor große Aktualität.
In Mickey 17 ist es der Bioprinter, der das Klonen vereinfacht, indem er einen menschlichen Körper neu ausdruckt, anstatt ihn zu züchten und aufzuziehen. Weil auf der Erde das Verfahren verboten wurde, will es Marshall im All testen, und Mickey ist das Versuchskaninchen, das für alle möglichen ethisch fragwürdigen Tests herhalten muss. Weltraumausflüge bei hoher Strahlung, gefährliche Viren oder chemisch erzeugte Nahrungsmittel, die möglicherweise tödlich sind? Mickey testet sie so lange, bis sie absolut sicher sind.
Die Geschichte basiert auf einem Roman des Wissenschaftlers Edward Ashton, der hier viele bekannte Versatzstücke, die man bereits aus anderen Filmen und Serien kennt, kombiniert. Das Szenario, das dabei entsteht, ist interessant, das Raumschiff wirkt abgewrackt und düster, die Lebensumstände sind deprimierend, das Essen eine Zumutung. Im Gegensatz dazu schwelgen Marshall und seine Frau, die eine bizarre Vorliebe für Saucen hat, im Luxus. Auch das kennt man bereits, etwa aus Snowpiercer, doch dieser sozialkritische Ansatz passt gut zum übrigen Werk von Regisseur Bong Joon-ho.
Was den Trailer ausgezeichnet und vom Rest abgehoben hat, war jedoch der scharfe, absurde Humor und der saloppe Umgang mit dem Tod. Mickey stirbt etliche Male und kehrt wieder zurück, kann sich aber nie daran gewöhnen und hat jedes Mal furchtbare Angst. Zum Glück lernt er an Bord Nasha (Naomi Ackie) kennen, eine Sicherheitsoffizierin, mit der er eine Beziehung eingeht und die ihn oft in seinen letzten Minuten tröstet. Diese anrührenden Momente sind die vielleicht stärksten im Film, zeichnen sie doch ein Bild von Mitgefühl und Menschlichkeit in einer ansonsten kalten und abstoßenden Welt.
Bong Joon-ho hält uns einen Spiegel vor und zeigt uns, wie deprimierend unser Dasein ist, wie wir uns das Leben gegenseitig schwer machen, uns ausnutzen und unterdrücken. Wissenschaft und Religion sind dabei Mittel, um die Mächtigen an der Macht und alle anderen klein zu halten. Marshall und Ylfa sind rücksichtslose Diktatoren, laut und vulgär, mit künstlicher Sonnenbräune und aufgehellten Zähnen und einer Vorliebe für geschmacklosen Luxus und Bling-Bling. Wer könnte für sie wohl Pate gestanden haben, dessen Anhänger ebenfalls Basecaps tragen?
Die Sozialkritik wird wieder einmal mit dem dicken Pinsel aufgetragen, und der Humor, der im Trailer angepriesen wurde, kommt nur in geringen Dosen vor. Hier und da findet man ein amüsantes Detail, etwa den Datenspeicher, der ein Ziegelstein ist, aber im Großen und Ganzen geht es erschreckend ernst zu. Das alles ist ganz nett, aber nicht wirklich beeindruckend.
Für eine lange Strecke ist die Story auch erstaunlich ziellos. Es wird viel Zeit darauf verwendet, Mickeys Backstory zu erzählen und seine Welt vorzustellen, obwohl man das in wenigen Szenen hätte etabliert können. Interessant wird es erst, als Mickey 17 nicht das Zeitliche segnet, sein Nachfolger aber bereits gedruckt ist. Im Trailer wurde bereits etabliert, dass diese Multiplen zerstört werden müssen – was im Film dann viel zu umständlich erklärt wird. Auf diese Weise verschwendet Bong Joon-ho eine Menge Zeit, die für eine Geschichte sinnvoller hätten genutzt werden können.
Mit der Ankunft auf dem Planeten und der Begegnung mit asselförmigen, pelzigen Aliens nimmt die Story dann noch eine weitere Wendung, wie man sie aus vielen Science-Fiction kennt. Immerhin dieser Teil ist noch ganz gut gelungen, kann aber die Versäumnisse der ersten Hälfte und darüber hinaus nicht wettmachen.
Note: 3